Was passiert, wenn malawische Bauern erkennen, wer Christus ist – und wer sie selbst in ihm sind? Ihr Blick auf Gott und sich selbst verändert sich grundlegend. Mit Martin und Julia Etter entdecken sie, dass ihre Arbeit und die Art, wie sie Landwirtschaft betreiben, Hand in Hand mit ihrer gottgegebenen Identität gehen.
In Malawi säumen Dörfer die atemberaubende Landschaft, sonnenverwöhnte Strände des Malawisees treffen auf grüne Hügel und Berge. Das Süsswasser des Sees wimmelt von einer unzähligen Vielfalt an prächtig gefärbten Fischen. Hinter der Schönheit des Landes und der Freundlichkeit der Menschen verbirgt sich jedoch eine dunkle, schwierige Seite des Landes.
Malawi zählt zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Über 80 % der Malawier sind Bauern, die für ihren eigenen Bedarf produzieren. Aufgrund des rasanten Bevölkerungswachstums schlagen sich die Menschen auf immer kleiner werdenden Landflächen durch. Zudem nahm man der lokalen Bevölkerung in der Kolonialzeit und danach Land für kommerzielle Farmen, Nationalparks und Waldreservate weg. Für viele Familien ist eine wiederkehrende Hungerszeit die Regel. Die Unterernährung von Kindern ist hoch. Der global und lokal verursachte Klimawandel erschwert es zusätzlich, genügend Nahrungsmittel anzubauen. Die eher verborgene Ursache für schlechte Ernten ist jedoch der ausgelaugte Boden und der fast vollständige Verlust der Baum- und Waldbedeckung.
Nur wenige christliche Bauern verbinden Glauben mit der Landwirtschaft. Ihre Höfe unterscheiden sich nicht von denen anderer. Die Böden der Höfe sind erodiert und unfruchtbar, die Hügel abgeholzt, die Dörfer verschmutzt und es fehlen Bäume. Diese Umweltprobleme sind sichtbare Zeichen einer Denkweise, die nicht von Christus verändert wurde.
Vor 28 Jahren kamen wir nach Malawi mit dem Auftrag, ein Bibelausbildungsprogramm aufzubauen. Die Kirchenleiter predigten und lehrten ohne jegliche Ausbildung. Bei einer schweren Hungersnot 2002 wurde uns bewusst, wie wenig Glaube und Alltag miteinander verbunden waren. Die lokale Gemeinde hat doch den Auftrag, Menschen so zu Jünger zu machen, dass ihr Glaube im Leben sichtbar wird.
Deshalb entschieden wir uns, mit den Bauern Gottes Wort zu lesen. Unser Ansatz setzt bewusst bei der Frage nach Identität und Beziehung zu Gott an. Wir denken über zwei zentrale Fragen nach: Erstens: «Wer ist Christus?» Beim gemeinsamen Bibellesen entdecken wir, dass er der Schöpfer, Herr und Erlöser von allem ist, was existiert, von allem, was ich bin, und von allem, was ich habe. Er gab sein Leben am Kreuz, um unsere Beziehung zu Gott, zu anderen, zu uns selbst und der Schöpfung zu heilen (Kol 1,15–20).
Die zweite Frage lautet: «Wer bin ich?». Wir besprechen 1. Mose 1,26–28. Ich bin Gottes Geschöpf, geschaffen, um mit ihm in Beziehung zu stehen. Nach seinem Ebenbild. Daher habe ich Würde, ich bin einzigartig in seiner Schöpfung. Er hat mir die Macht übertragen, als Verwalter zu herrschen. Als sein Ebenbild hat Gott mir Gaben gegeben – geistige, emotionale, körperliche und geistliche –, um diese Aufgabe zu erfüllen. Durch Christus bin ich sein Kind. Und so, wie Gott Christus gesandt hat, sendet er mich, um Heilung in alle vier Beziehungen zu bringen (2. Kor. 5,17–20).
Diese biblischen Wahrheiten sind kraftvoll. Sie verändern Einstellungen. Es wächst die Hoffnung, dass Veränderung möglich ist. Bei einem unserer Workshops schrieb ein Teilnehmer ein Lied mit dem Titel «Wer bin ich?». Am Ende der Woche sangen es alle mit grosser Freude.
Diese veränderte Sicht bleibt nicht theoretisch – sie wird praktisch sichtbar. Glaube und Landwirtschaft verbinden sich. Ganzheitliche Jünger wachsen heran. «Ich bin mir nun bewusst, dass Gott sich für mich als Landwirt interessiert. Für die Art und Weise, wie ich wirtschafte. Ja, ich tue etwas Wertvolles.» Neue Praktiken werden übernommen. Der Boden wird verbessert, Wälder wachsen nach und die Ernten werden besser. Das braucht Zeit und Geduld.
Elize ist eine Landwirtin, die einfache Veränderungen vorgenommen hat. Anstatt auf chemischen Dünger zu setzen, der für die meisten Landwirte oft zu teuer ist, verwendet sie Mist und hat die Bodenbearbeitung reduziert. Stolz zeigt uns Elize ihre Rekordernte. Anderen Bauern wurde im Rahmen eines staatlichen Förderprogramms chemischer Dünger versprochen, daher verzichteten sie auf die von uns gelehrten nachhaltigen Anbaumethoden. Der Dünger wurde jedoch nie geliefert und so stehen sie vor einer weiteren Hungerszeit.
Eine Gruppe von Witwen baute erfolgreich Mais an, dank des Komposts, dessen Herstellung sie über eine von uns geschulte Landwirtin gelernt hatten. Überrascht stellen sie fest: «Mais ohne chemischen Dünger anbauen? Das geht!»
So wird sichtbar: Wenn Menschen ihre Identität in Christus entdecken, verändert sich ihr ganzes Leben. Nicht nur ihr Glaube, sondern auch die Art, wie sie arbeiten und wie sie die Schöpfung sehen. Und Teil dieses Prozesses zu sein, macht einfach Spass!
Liebe Freunde, betet dafür, dass die Gemeinde in Malawi Jünger macht, welche nach Jesus dürsten und den Glauben mit ihrem täglichen Leben grundlegend verbinden. Betet mit uns für eine Nachfolge, die unseren Dienst in Malawi einmal übernehmen wird.
Oder willst du dich selber in diesem Bereich in Malawi einsetzen? Wir lernen dich gerne kennen!
Mehr Infos: www.smg.swiss/einsätze
Martin und Julia Etter
Martin und Julia kamen 1998 nach Malawi mit dem Auftrag, ein Bibelausbildungsprogramm aufzubauen. Bis dahin predigten und lehrten Kirchenleiter ohne Grundausbildung. Durch eine Hungersnot wuchs in ihnen der Wunsch, lokale Bauern jüngerschaftlich zu begleiten und ihnen zu helfen, ihren Glauben und ihren Alltag zu vereinen.
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